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Runter vom Estrich .....


 

Runter vom Estrich, ab in die Luft 

Nicht neue Modelle, die alt aussehen und nicht alte Modelle, die neu aussehen, sondern alte Modelle, die noch immer alt aussehen, aber wieder fliegen. Das ist die Passion von René Giger.

Er ist mehr als die halbe Zeit beruflich irgendwo in Europa unterwegs. Zuhause ist René Giger - wie schon immer – in Breitenbach. Fast schon immer ist der Schwarzbube Mitglied der lokalen Modellfluggruppe. Und wie bei jedem langjährigen Modellbauer hat sich auch bei René über die Zeit einiges angesammelt. Nicht bloss Kleinkram sondern ganze Modelle waren bei ihm – wie bei vielen seiner Kollegen – auf dem Estrich oder in den obersten Regalen des Bastelkellers verstaubt. Bis René Giger irgendwann beschlossen hatte, dem ein Ende zu setzen. In den Müll wollte er damit nicht, ebenso wenig ins Internet. Er nahm sich vielmehr vor, die altgedienten und vorübergehend ausrangierten Modelle wieder flugtauglich zu machen. Ein reizvolles Unterfangen für alle, die gerne basteln.                                              Bild 1Bild 1

Aufwendige Restaurierungen

Mit Nostalgie und Retro hat das wenig zu tun. „Ich möchte Altes wieder zum Leben erwecken“, erklärt René seinen Antrieb. Entsprechend steht die Funktionalität und nicht die perfekte Restaurierung im Vordergrund seiner Basteleien. Da wird alles Elektronische auf den Stand der Zeit und das Mechanische wieder in einen zuverlässigen Zustand gebracht. Konkret heisst das: alte Servos ersetzen, ebenso die RC-Elektronik und häufig auch die Motoren, Anlenkungen überprüfen und bei Bedarf ersetzen, Schäden an Rumpf und Flügeln reparieren, Bespannung ergänzen oder erneuern. Das verlangt einiges an Improvisation, aber auch Fingerspitzengefühl, denn die alten Balsahölzer sind oft spröd und brüchig. Ziel ist die Flugtauglichkeit und nicht der Schönheitspreis. René macht sich da nichts vor – die Modelle sind alt und bleiben alt. „Das Zeugs soll nicht ins Museum sondern in die Luft“, lautet seine Überzeugung. Höhepunkt ist entsprechend, wenn auf dem Platz der Modellfluggruppe Breitenbach wieder ein Modell abhebt, das über Jahrzehnte in einem Keller oder auf einem Estrich gelegen hatte und nach der Totalrevision wieder so gut fliegt wie eh und je - oder noch besser. Die Kollegen nehmen es gelassen bis begeistert. Der eine oder andere hat sich sogar anstecken lassen, hat zuhause gegraben, ist fündig geworden und restauriert nun, was seine Erinnerung längst schon verlassen hatte. René freut sich über Nachahmer und hofft, dass sich früher oder später eine kleine Szene Gleichgesinnter bilden werde, wo man sich austauschen kann (R.Giger@westfaliaeurope.com).

Eine Sammlung von Modellbaulegenden

Doch was heisst eigentlich alt? Es geht nicht um neue Modelle, die alt aussehen. Es geht um Modelle die alt sind und auch so aussehen. Für René ist alt, was aus den 70er Jahren oder früher stammt. Dabei ist das Konstruktionsjahr massgebend, also wann der Baukasten auf den Markt kam oder der Bauplan gezeichnet wurde. Aber pingelig will René nicht sein. Es soll ja vor allem Spass machen. So gibt es in seiner Sammlung auch das eine oder andere Modell aus den frühen 80er Jahren.

Mittlerweile betreibt René weit mehr als 30 alte Modelle, allein oder zusammen mit Kollegen. Alle sind fein säuberlich in einem Katalog dokumentiert.

Das Register möchte er erweitern um alte Modelle von Kollegen aus der Region, um es dann auch zugänglich zu machen. Da finden sich viele Modellbaulegenden von Graupner wie Cumulus (1974), Cirrus (1969), Jolly (1967), Topsy (1961), Kapitän (1957), von Multiplex Alpha (1969) und Flamingo (1978), von Wick Jonny (1968) und Salto (1973), SB 10 von Carrera (1977), Hegis Bergfalke (1959), Svensons Fieseler Storch (1978), von René vor 30 Jahren als Baukasten gekauft und erst vor drei Jahren gebaut. Dann auch Modelle, die aus einem Bauplan entstanden sind, wie der Reiher, den René zu seiner Lehrlingszeit aus einem FMT-Plan aufgebaut hatte und mit dem er nach einer grösseren Revision in diesem Sommer – also mehr als 40 Jahre später – wieder am Schwarzbubenfliegen teilgenommen hat.

Bild 2Bild 2

Wie schon gesagt ist alles flugtauglich und alles fliegt auch dann und wann. Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: Das Modell Vita, Konstrukteur unbekannt, Jahrgang 1939. Es ist schon so alt, dass René keinen Schaden oder gar dessen Verlust riskieren möchte. Es gehört entgegen seiner Philosophie in die Abteilung Museum, wobei das Museum aus nur einem Objekt besteht. 

 

Roland Schlumpf

  

 

 

 

 

 Bildlegenden:  Bild 1 - René Giger mit seinem Bergfalken von Hegi; zu beachten ist der Flügelverbinder, wie er damals durchaus üblich war.  Bild 2 - Das einzige Museumsmodell – Vita, Baujahr 1939

 


 

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