Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Fiat C 29 Fesselflugmodell von Peter Germann


 

Fiat C.29 - ein nicht ganz herkömmliches Fessel-Akrobatikmodell 

Peter Germann – bis vor kurzem Präsident des Schweizerischen Modellflugverbandes SMV – ist begeisterter Fesselflieger. Seit seiner Jugend sind Fesselflugmodelle, vor allem Modelle der Kategorie F2B Aerobatics, seine Leidenschaft. Mit seiner ihm eigenen Akribie und seinem Können hat er in all den Jahren unzählige Fesselflug-Akrobatikmodelle gebaut und sie mit grossem Erfolg an Wettbewerben auf der ganzen Welt eingesetzt. Sein neuestes «Werk» ist das Resultat jahrelanger Erfahrung. Die Fiat C.29 soll an der Europameisterschaft im August dieses Jahres die hoffentlich erfolgreiche Feuertaufe erleben.  

Hier sein Bericht zum neuen Modell: 

Bei einem im Kreis fliegenden Fesselflugmodell erzeugt der rotierende Propeller eine Kraft, welche die Nase des Flugzeuges nach oben oder unten drückt - je nach Drehrichtung der Luftschraube. Um horizontal auf gleicher Höhe zu fliegen, muss der Pilot diese Kraft mit dem Höhensteuer ausgleichen. Mit dem Einbau elektrischer Antriebe wurde - infolge der grösseren, rotierenden Masse des Motors - auch die Kreiselkraft grösser, und der Ausgleich durch das Höhensteuer, besonders beim Übergang vom Horizontal- zum Rückenflug, wurde anspruchsvoller.  

In den letzten Jahren wurden ursprünglich für den Betrieb mit Verbrennern ausgelegte Fesselflugmodelle für Kunstflug zunehmend mit elektrischen Antrieben ausgerüstet. Dabei wurden, um die in gewissen Flugmanövern sich günstig auswirkende Kreiselkraft des Propellers auszunützen, oft linkslaufende Druckpropeller eingesetzt. Das hat zwar recht gut funktioniert, aber die deutlich grösseren Kreiselkräfte des e-Antriebes wirkten sich dabei in anderen Flugmanövern eher ungünstig aus. Davon ausgehend wurde mit der Konstruktion des Fiat C.29 versucht, die Anordnung der Antriebskomponenten in einem elektrisch mit einem Druckpropeller betriebenen Fesselflugmodell so auszulegen, dass eine möglichst weitgehende Kompensation der Kreiselkräfte erreicht werden kann.  

In einem ersten Schritt galt es, die im Flug auftretenden Kräfte, wie der Luftwiderstand der Zelle und der Kabel sowie der Kreiselkräfte des Antriebes, zu berechnen. Dazu gehörte auch die experimentelle Bestimmung des Massenträgheitsmomentes der rotierenden Antriebskompo­nenten mit Hilfe eines vertikalen Drehpendels. Mit der unverzichtbaren und grosszügigen Hilfe von Dieter Siebenmann (Aerodynamik) und Wolfgang Nieuwkamp (Flugmechanische Mathematik) konnten danach die Anordnung und Ausrichtung aller Baugruppen so berechnet werden, dass eine weitgehende Kompensation der Kreiselkräfte eines elektrischen, linkslaufenden Druckpropeller-Antriebes ermöglicht wurde.  

Mein Beitrag beschränkte sich auf den Bau eines Flugzeuges um die berechneten Masse bzw. Einstellwinkel herum. Da das Modell an F2B Wettbewerben eingesetzt werden soll, habe ich dabei die Dimensionen, Profile und Abstände eines bewährten Musters («Max Bee» von Igor Burger) übernommen und lediglich die Einbaumasse und Anstellwinkel der Druckpropeller-Antriebs­komponenten in den Rumpf gemäss den Berechnungen «meiner» Experten ausgeführt. Dass ich dabei die Seitenansicht des Rumpfes etwas speziell gestaltet habe, hat wenig mit Rechnen und viel mit Respekt für die Erbauer und Piloten der italienischen Wasser-Rennflugzeuge der 1930iger Jahre zu tun. 

Mit den ersten Flugtests von Ende Mai 2017 wurden die erhofften Resultate insofern erreicht, als dass in jeder Fluglage und bei allen Manövern das Flugzeug gleichzeitig wendig und stabil zu fliegen war und vor allem, dass gleiche Ruderausschläge in jeder Situation zuverlässig gleiche, vorhersehbare Richtungsänderungen zur Folge hatten. Ohne besondere Trimmung fliegt der Fiat C.29, sozusagen ab der Werkbank sehr präzise und zielgenau exakt dorthin, wo der Pilot will. Dies sowohl im Horizontal- als auch im Rückenflug. Nach mittlerweile ca. 40 Flügen verdichten sich die Hinweise, dass die Anordnung der Komponenten bzw. Baugruppen bei einem e-Druckpropeller Antrieb in etwa diese sein sollten: 

  • Die Motorzugachse liegt ca. 10 mm unterhalb der Mittelachse der Tragfläche.

  • Die Motorzugachse ist in einem Winkel von ca.1.5° nach oben ausgerichtet.

  • Die Mittelachse des Höhenleitwerks liegt ca. 20 mm oberhalb der Mittelachse der Tragfläche.

  • Das Stabilo des Höhenleitwerks hat einen Anstellwinkel von ca.1° nach unten.

  • Ein mit dem Höhenruder gekoppeltes Seitenruder schlägt bei vollem HR Ausschlag (45° nach oben) um ca. 20° nach aussen aus. Die Koppelung wird so ausgelegt, dass bei einem Ausschlag des HR nach unten kein, oder nur ein geringer, Ausschlag des Seitenruders nach innen erfolgt. 

Ob die bisherigen Resultate im Flugbetrieb 2017 bestätigt werden können, ist abzuwarten. Ein nach den gleichen Grundlagen gebautes Modell von Peter Hofacker wird bald zu weiteren Erkenntnissen beitragen. Was ich hingegen schon jetzt feststellen kann ist, dass mir das Projekt C.29 dank der hervorragenden Grundlage von Igor Burger’s Max Bee und dem Engagement von Dieter Siebenmann und Wolfgang Nieuwkamp sehr viel Freude bereitet. Dafür vielen Dank, liebe Freunde.

 

Schöne Bilder des „richtigen“ C.29 gibt es hier: 

http://www.aeronautica.difesa.it/storia/museostorico/Pagine/FiatC29.aspx 

Selbstverständlich habe ich zusammen mit Mr. Scale Georg Biber, die Vorbilder bereits vor einigen Jahren vor Ort in Italien, unter besonderer Berücksichtigung der gastronomischen Randbedingungen, sehr genau inspiziert… 

13. Juni 2017,  Peter Germann

 

Das vertikale Drehpendel mit Rotor, Welle, Propeller und Spinner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Getrieben wird der C.29 leider nicht mit dem Fiat V12 4-Ventil 1‘000 PS Motor, sondern mit einem AXI 2826/12 an einer 5S2700mAh Batterie, welcher einen APC electric 13 x 5.5 Pusher Propeller mit konstanter Drehzahl antreibt.

 

 

 

 

 

 

 

Fiat C.29, ein Fesselkunstflugmodell mit 1.5 m Spannweite. Konventionelle Holzbauweise, bespannt mit Polyspan & Papier. 2-Schicht Autolack. Startgewicht 1‘800 Gramm, Flugzeit bei 90 Km/h ca. 6 Minuten.

 

 


zurück